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Sprache im Wirtschaftsalltag
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Finnisch

Eine Sprache wie kaltes Wasser, schlecht fürs Geschäft.
     

Der Schaden, den Finnland nahm

 

Worum es geht

Dass die Finnen so unklug waren, sogar Computerbegriffe aus dem Englischen in ihre Sprache zu übertragen.


"Deutsch und anders - die Sprache im Modernisierungsfieber", Dieter E. Zimmer, Rowohlt, Reinbek, ISBN 3 499 60525 2


Biografisches über Joseph Weizenbaum


Shotgun wedding nennen Amerikaner den spontanen Entschluss zur Heirat. Zufällig, also ohne Beweiskraft, korrelieren in manchen Landstrichen die Verkaufszahlen für Schrotgewehre mit der Heiratsstatistik.



Dieser Beitrag ergänzt das Thema in der baerentatze vom Oktober 2004

 
Vor acht Jahren untersuchte Dieter E. Zimmer, wie die hundert gebräuchlichsten Begriffe aus der Welt der Computer in neun europäischen Sprachen verwendet wurden: Unverändert aus dem Englischen übernommen oder der Muttersprache angepasst?

Aus einem langen Sommer vor dreißig Jahren kenne ich die Finnen als ein wortkarges Völkchen. Kein Wunder, dachte ich mir, bei der Sprache! Wo du schon bei den Ziffern Eins bis Zehn außer Atem kommst, so viele Silben muss das Mundwerk unter dem Reden nachladen? Oder hatte ich das umgekehrt zu verstehen: Keine Geschwätzigkeit hat das Finnische gefeilt, geschliffen und poliert, sondern es ist kantig geblieben, rauh und voller Nuancen im Ausdruck? Im Gegensatz zum Englischen, das zwar knapp, praktisch, auf Kürze rationalisiert ist, aber auch glatt gerundet, wie ein Stein am Elbufer vieles darstellen kann, aber nicht muss?

Zimmer jedenfalls stellte fest, dass die Finnen 93 der 100 populären PC-Begriffe in ihre Sprache übersetzt oder dieser angepasst haben, an vorletzter Stelle seiner Zählliste lag Deutschland mit 57 Begriffen. Hinterwäldler, die Finnen; Cosmopolitans, wir Deutschen. Viel hält allerdings Joseph Weizenbaum, der von Computern ein bisserl was versteht, von unserer Lust am Angelsächseln nicht: Sie hindere uns am klaren Denken und begründe, weshalb wir in Computerdingen hinter die Amerikaner zurückgefallen sind.

Ihre naturbelassene, chauvinistische Treue zur eigenen Sprache, und sei sie noch so unpraktisch, hat das kleine Volk der Finnen aber nicht gehindert, in der Computer- und Telekommunikationstechnik ganz gut mitzuhalten - Nokia hat sich vom Holzhandel und der Herstellung von Gummistiefeln zum führenden Händibauer gemausert. Und im Umgang mit modernen Medien hat Linus Torvalds, der Begründer von Linux, Maßstäbe gesetzt - auf Englisch, versteht sich.

Seither hatten wir PISA zu verdauen, da lagen die Finnen an der Spitze, Deutschland auch da im Hinterfeld. Uns scheint die hündische Hingabe zum Englischen wenig zu nützen. Finnlands Spitzenplatz hat mit seiner Sprachtreue vielleicht soviel zu tun wie die Geburtenrate mit dem Aufkommen der Störche, nämlich nichts. Aber in uns nagt der Verdacht, und so irrsinnig neu wäre die Erkenntnis nicht, dass der Mensch in seiner Muttersprache genauer denkt, nuancierter, beweglicher und schöpferischer als in der Fremdsprache. Dann wäre, was in Deutschland geschieht, eine Amputation der Denkfähigkeit.


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  Dipl.-Ing. Oliver Baer, Publizist
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